IGS-Schüler bereiten Stolperstein-Video-Rundgang vor

Senioren Rehburgs NS-Zeit erklären

Gegenseitige Unterstützung ist eines der Ziele der Kooperationsvereinbarung, die wir mit der IGS Nienburg abgeschlossen haben. Diese Vereinbarung trägt erste Früchte – und soll demnächst auch älteren oder beeinträchtigten Menschen helfen.

 

Für manche stellt die steile Treppe hoch zu den Räumen unseres Arbeitskreises im Gebäude des Rehburger Raths-Kellers ein Problem dar. Nicht jeder kann sie erklimmen, um zu Veranstaltungen, in die Ausstellung zum Leben der jüdischen Gemeinde Rehburgs oder in die Lernwerkstatt dort zu kommen. Deutlich wurde es uns noch einmal, als wir den Rehburg-Loccumer Seniorenbeirat (SBR) einluden, eines seiner Treffen bei uns abzuhalten. Im Prinzip gerne, war die Antwort. Doch das gehe nur, wenn eines der SBR-Mitglieder gerade keine Zeit habe.

Den Schattenriss der Jüdin Jeanette Löwenstein haben die IGS-Schüler auf Rehburgs Straßen getragen – und berichten per Video aus deren leben.
Den Schattenriss der Jüdin Jeanette Löwenstein haben die IGS-Schüler auf Rehburgs Straßen getragen – und berichten per Video aus deren leben.

Keine Zeit haben durfte Volker Brethauer, Seniorenbeirats-Mitglied und bei der Fortbewegung auf einen Rollator angewiesen – der dann zudem sagte, dass er eigentlich größtes Interesse an dem habe, was dort oben bei den Stolper­steinen zu sehen sei.


Was tun, um solchen Wünschen ent­gegen­kom­men zu können, war die Frage – und eine Lösung haben sich Schüler der Nienburger IGS ausgedacht, die seit Beginn des Schulhalbjahres in einem Nach­mittags­angebot zum Thema der Rehburg-Loccumer Stolpersteine mitmachen. Viele Menschen mit Handicap wie auch viele Ältere seien doch durchaus technik-affin, meinten sie. Weshalb ihnen also nicht ins Haus bringen, was sie ansonsten nicht anschauen können? Ein Video-Rundgang durch die Ausstellung schwebte ihnen vor – und sie verabredeten sich mit Volker Brethauer in Winzlars Seniorenheim „Widdelhof“, wo dieser lebt. Er sollte erzählen, was ihn interessiert, was er sich wünscht – auf dieser Grundlage wollten die Schüler einen Plan für ihren Rundgang per Video entwickeln.

 

Was interessiert an dem Stolperstein-Projekt und wie war es in der NS-Zeit in Rehburg? – Schüler aus der IGS Nienburg im Gespräch mit Volker Brethauer und Erika Lustfeld.
Was interessiert an dem Stolperstein-Projekt und wie war es in der NS-Zeit in Rehburg? – Schüler aus der IGS Nienburg im Gespräch mit Volker Brethauer und Erika Lustfeld.

Fünf Punkte hatte Brethauer parat. Die Räume samt Ausstellungen kennenlernen gehörte ebenso dazu wie auch ein Rundgang entlang der Häuser, vor denen Stolpersteine verlegt wurden. Einen Spaziergang über den jüdischen Friedhof wünschte er sich und hatte die Bitte, ein bis zwei der Schicksale genauer vorgestellt zu bekommen. Im Prinzip hätten die Schüler daraufhin mit ihrer Arbeit beginnen können – bekamen im Widdelhof aber noch von einer weiteren Gesprächspartnerin Besuch: Erika Lustfeld, Jahrgang 1930, ist Zeitzeugin mancher Ereignisse aus der NS-Zeit in Rehburg und kannte selbst noch viele der Juden. Woran sie sich erinnerte, erzählte sie den Jugendlichen – von jemandem erzählt zu bekommen, der die Menschen kannte, die aus Rehburg um das Jahr 1942 in Konzentrationslager deportiert wurden, machte manches deutlicher, als es nur in der Ausstellung zu lesen. Den Aufnahme-Modus eines Smartphones aktivierten die Schüler schnell und wollen eventuell auf den einen oder anderen Satz aus dem Gespräch mit Volker Brethauer und Erika Lustfeld zurückgreifen.

 

Rehburgs Juden dorthin bringen, wo sie einmal gelebt haben: IGS-Schüler tragen deren Schattenrisse durch die Straßen.
Rehburgs Juden dorthin bringen, wo sie einmal gelebt haben: IGS-Schüler tragen deren Schattenrisse durch die Straßen.

Aktiviert wurden die Kameras auch im direkten Anschluss, denn der Besuch endete nicht in Winzlar. Stattdessen hatte die Gruppe sich in unseren Ausstellungsräumen angemeldet – und wirbelte dort einiges gehörig durcheinander: Mit den lebensgroßen Schattenrissen einiger der Juden gingen sie auf Rehburgs Straßen, platzierten sie vor Häusern, in denen diese Menschen vor rund 80 Jahren lebten, einkauften oder zur Schule gingen und berichteten den Kameras erste Details aus deren Geschichte. War nicht ungefähr das einer der Wünsche, die Volker Brethauer geäußert hatte?

 

Rehburgs Juden dorthin bringen, wo sie einmal gelebt haben: IGS-Schüler tragen deren Schattenrisse durch die Straßen.
Rehburgs Juden dorthin bringen, wo sie einmal gelebt haben: IGS-Schüler tragen deren Schattenrisse durch die Straßen.

In der Schule und in unserer Lernwerkstatt wollen die Schüler weiter an ihrem Video-Rundgang arbeiten und haben noch mehr Pläne. Einige der Schüler haben bereits Briefe an Paula Freund­lich, die einzige Überlebende, die wir kennen lernen konnten, geschrieben. Eine andere Gruppe will einen Audio-Führer entlang der Stolpersteine gestalten. Gespannt sind die Schüler zudem auf die nächste Stolperstein-Verlegung, die für den 22. November geplant ist. Smartphones werden gewiss auch dann gezückt für diejenigen, denen es nicht möglich ist, dabei zu sein. Und für alle anderen, die es interessiert.

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