Weiße Rose für eine Kämpferin

Ingrid Wettberg erzählt vom jüdischen Leben in Deutschland

Als “eine Kämpferin für jüdisches Leben” ist Ingrid Wettberg mehr als einmal bezeichnet worden. Auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Rehburg-Loccums und des Arbeitskreises Stolpersteine Rehburg-Loccum hat die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover am 14. Oktober 2015 einen Abend gestaltet, an dem sie kämpferisch und berührend von jüdischem Leben in Deutschland jenseits der NS-Zeit erzählt hat.

Die Gleichheit von Mann und Frau sei in allen liberalen jüdischen Gemeinden festgeschrieben und das sei wohl auch vor 20 Jahren ein wichtiger Grund für Ingrid Wettberg gewesen, die Gründung solch einer Gemeinde in Hannover in die Wege zu leiten, sagte Gabriele Arndt-Sandrock vom Stolperstein-Arbeitskreis zu Beginn. Dass dem tatsächlich so war, bestätigte Wettberg. Während der Gottesdienste auf der Empore der orthodoxen Gemeinde in Hannover sitzen zu müssen und das Gefühl zu haben, nur Zuhörer sein zu dürfen, statt dabei zu sein – das sei ihr gegen den Strich gegangen. Auf die Gründung der Gemeinde folgten Jahre mit Gottesdiensten in angemieteten Büroräumen, bis schließlich die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers Wettberg den Vorschlag machte, eine ihrer Kirche als Synagoge zu nutzen – worauf sie sich schließlich auch einließ. Der beschwerliche Weg dorthin endete 2009 glücklich mit dem Einzug in die Synagoge, rund 800 Gemeindemitglieder gehören mittlerweile dazu und der 20. Geburtstag der Gemeinde wird dort in diesen Tagen gefeiert.

Dennoch ist für Juden in Deutschland auch heutzutage nicht alles gut. Die Synagoge ist stets gut verschlossen. Wer hinein will, muss sich zuvor anmelden und Polizeischutz gehört zu den alltäglichen Dingen dort. Denn Anfeindungen gibt es immer noch – und diese befürchtet Wettberg für die kommende Zeit in zunehmendem Maße, da für manche der ethnischen Gruppen, die derzeit nach Deutschland fliehen, Israel ein Feind sei – das, sagt sie, werde dann leicht auf Juden in Deutschland transportiert. „Aber was kann ich denn dafür, was in Israel geschieht!“ Ein bisschen Angst habe sie vor dem, was noch kommen werde und das nicht nur vor dem Hintergrund, dass Israels Politik den Juden in Deutschland angelastet werde. Denn auch in Deutschland gebe es immer noch Judenhass. „Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind ja nicht die Vorurteile gestorben.“
Die angeregte Diskussion, die sich dem Vortrag anschloss, musste irgendwann wegen der vorgerückten Stunde abgebrochen werden. Noch lange habe sie nicht alles erzählt, sagte Wettberg. Und noch lange nicht war der Wissensdurst der Zuschauer befriedigt. Mit der Aussicht, Ingrid Wettberg ein weiteres Mal zu einem Gespräch in die „Romantik Bad Rehburg“ einzuladen und einer weißen Rose für die „Kämpferin für jüdisches Leben“, schloss Gabriele Arndt-Sandrock die Runde.

Einladung zur Vortragsveranstaltung

Jüdisches Leben hier und heute

Ingrid Wettberg, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover

Am 14. Oktober um 20.00 Uhr in der Romantik Bad Rehburg

Über jüdisches Leben in Deutschland heutzutage und mit der Frage, ob es das überhaupt gibt, wird die Vorsitzende der Liberalen jüdischen Gemeinde Hannover, Ingrid Wettberg. Am Mittwoch, dem 14. Oktober, 20 Uhr, in der ‚Romantik Bad Rehburg’ einen Vortrag halten.

„Das Judentum ist etwas sehr lebendig Gelebtes und hat unsere Sprache, unser Land und Leben bis heute geprägt“, sagt Ingrid Wettberg. In der allgemeinen Wahrnehmung bestehe es allerdings oft nur im Zusammenhang mit dem Geschichtsunterricht und werde häufig auf die Zeit der Verfolgung während des Nationalsozialismus reduziert.

Was gegenwärtig eine offene, pluralistische, zeitgemäße, jüdische Kultur ausmacht, will sie hingegen an diesem Abend darstellen. Riten und Religion, unterschiedliche Strömungen im Judentum und daraus resultierende Folgen werden im Mittelpunkt des Abends stehen. Verbinden will Wettberg dieses mit der Rolle der Frauen, die im Judentum, wie sie sagt, seit jeher Wertschätzung und Anerkennung genossen hätten. In jüdischer Tradition sei Frauen jedoch im religiösen Leben keine aktive Rolle zugekommen. Ist das heute noch so? Wie haben sich das Bild und die Rolle der Frau im Judentum gewandelt?

Ingrid Wettberg kann in diesem Zusammenhang auch aus ihrer eigenen Biografie schöpfen. Sie gehört zu den Gründerinnen der Liberalen jüdischen Gemeinde Hannover. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zu Fragen und einer Diskussion.

Der Vortrag von Ingrid Wettberg ist eine Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten Rehburg-Loccums innerhalb der Frauenrunde ‚Frieda’ in Kooperation mit dem Projekt ‚Stolpersteine Rehburg-Loccum’. Männer sind ebenso wie Frauen willkommen. Der Eintritt ist frei, Spenden für das Stolperstein-Projekt sind willkommen.

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www.synagoge-petershagen.de
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Auch der Förderverein der  ehemaligen Synagoge in Stadthagen bietet Veranstaltungen rund um die Verlegung von Stolpersteinen an:
www.stadthagen-synagoge.de