Paula an der Hand ihrer Mutter

Ergreifende Ausstellungseröffnung von ‚Sie waren Nachbarn’

Die HARKE, 4. Oktober 2014

So manche Träne ist geflossen bei der Eröffnung der Ausstellung ‚Sie waren Nachbarn’ zu verfolgten Juden Rehburg-Loccums in der NS-Zeit. Mit der Jüdin Paula Calder, die aus Bad Rehburg stammt, hatte die Ausstellung in der ‚Romantik Bad Rehburg’ einen ganz besonderen Gast.

Paula Calder ergreift die Hand ihrer Mutter, die als Schattenriss dargestellt ist und dem Holocaust zum Opfer fiel.
Paula Calder ergreift die Hand ihrer Mutter, die als Schattenriss dargestellt ist und dem Holocaust zum Opfer fiel.

Gegen Ende der Vernissage, als schon fast alle Gäste gegangen waren, hat Paula Calder die Hand ihrer Mutter gehalten. 1939 musste sie sich von ihr verabschieden. Die damals 13-Jährige wurde von ihrer Familie mit einem der so genannten Kindertransporte nach England geschickt. So überlebte sie als einzige einer achtköpfigen Familie den Holocaust.

Die Hand, die sie nun in der Ausstellung ergriffen hat, ist einer der Schattenrisse, die die Grundlage der Ausstellung sind. Auf Tafeln mit Szenen aus dem Alltagsleben der jüdischen Mitbürger und aus der NS-Zeit sind die Schatten der Juden abgebildet, die einmal in Rehburg-Loccum Nachbarn waren. In Lebensgröße stehen manche dieser Schatten aber auch zwischen den Besuchern der Vernissage. Wie etwa die Mutter von Paula Calder, Else Freundlich, mit dem Judenstern auf der Brust. Tief berührt stand die mittlerweile 88-Jährige, die mit ihren Kindern aus England angereist ist, an der Silhouette ihrer Mutter.

 

Die Ausstellung ‚Sie waren Nachbarn’ ist noch bis zum 9. November in der ‚Romantik Bad Rehburg’ zu sehen. Geöffnet ist bis Ende Oktober dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr, und ab November mittwochs bis sonntags, 13 bis 17 Uhr. Führungen durch die Ausstellung können Schulklassen und andere Gruppen unter der Telefonnummer (0 50 37) 13 89 vereinbaren.

 

Wer Paula Calder persönlich begegnen möchte, kann dieses heute, Sonnabend, 4. Oktober, tun, wenn die ersten Stolpersteine in Rehburg-Loccum verlegt werden. Treffpunkt ist um 11.30 Uhr das Haus Heidtorstraße 28 in Rehburg, wo die Jüdin Frieda Schmidt lebte. Über zwei weitere Stationen in Rehburgs Mühlentorstraße geht es nach Bad Rehburg zur Alten Poststraße 13. Dort lebte Paula Calders Familie, dort werden für sie, ihre fünf Geschwister und ihre Eltern ebenfalls Stolpersteine gesetzt. Im Anschluss daran ist ein Empfang in der ‚Romantik Bad Rehburg’ geplant, zu dem ebenfalls alle Interessierten willkommen sind.

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