„Sonst wäre ich hier zu Hause“

Stolperstein-Projektgruppe lädt zu Erzählcafé ein

Wunstorfer Stadtanzeiger, 25. Januar 2014

Bad Rehburg. Zu einem Erzählcafé lädt die Rehburg-Loccumer Projektgruppe, die auf das Verlegen von Stolpersteinen für die Verfolgten des NS-Regimes in ihrer Stadt hinarbeitet, für Sonntag, den 9. Februar, 15.00 Uhr, in die ‚Romantik Bad Rehburg’ ein. Willkommen sind Menschen, die erzählen, solche, die zuhören, und solche, die mitarbeiten wollen.

In diesem Sommer sind zehn Jahre vergangen, seit Yosi Hammerschlag am Grab seines Ururgroßvaters auf dem jüdischen Friedhof in Rehburg kniete. „Sonst wäre ich hier zu Hause“, sagte er damals.‚Sonst’ – damit meinte er, dass er dort, in dieser Stadt, zu Hause wäre, wenn nicht die Nazis die Juden verfolgt hätten. So aber ist Yosi Hammerschlag 1938 in Argentinien zur Welt gekommen. Seine Familie ist emigriert. Geflohen, weil sie die Zeichen der Zeit richtig gedeutet hat. Heute lebt Yosi Hammerschlag in Israel – und Kontakte von dort nach hier bestehen nach wie vor.

 

In diesem Sommer will er wieder nach Rehburg kommen. Wurde er damals von einigen Mitgliedern des Rehburger Bürger- und Heimatvereins freundlich aufgenommen und tauschten sie sich über das aus, was an Erinnerungen in Rehburg noch vorhanden beziehungsweise dem Jungen damals in Argentinien erzählt wurde, so hoffen dieses Mal weitaus mehr Menschen darauf, dass der, der hier hätte zu Hause sein können, seine Familiengeschichte mit ihnen teilt. Das, was Yosi Hammerschlag überliefert bekommen hat, soll in die Arbeit der Rehburg-Loccumer Projektgruppe ‚Stolpersteine’ einfließen. Das Ziel der Gruppe ist es, im Oktober erste solcher Stolpersteine zum Gedenken an Verfolgte des Nationalsozialismus verlegen zu lassen. Über diese Steine hinaus ist aber weiteres geplant, das an die Zeit erinnern soll, als Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen oder auch solche, die sich gegen das Regime auflehnten, verfolgt und oftmals auch ermordet wurden.

 

Um diesen Verfolgten auf die Spur zu kommen, von ihnen zu erfahren oder mehr über sie gesagt zu bekommen, lädt die Projektgruppe zu dem Erzählcafé ein. „Jede noch so kleine Erinnerung kann ein Baustein sein, der uns voranbringt“, sagt der Rehburger Heinrich Lustfeld, der de ersten Anstoß zu dem Projekt gab. So gehe es darum, dass Menschen kommen, die selbst Erinnerungen an jene Zeit haben. Gleichzeitig sind aber auch solche willkommen, denen von Eltern, Großeltern, Nachbarn und anderen von Erlebnissen und Menschen erzählt wurde. Und auch diejenigen, die sich einfach für das Projekt interessieren, können kommen und zuhören oder auch in eine der bereits gebildeten Arbeitsgruppen einsteigen. Mit einem kurzen Vortrag zum Schicksal jüdischer Familien in Nienburg vom Autor Gerd-Jürgen Groß und Nienburgs Kreisarchivarin Patricia Berger beginnt der Nachmittag. Anschließend kann in kleinen Gruppen bei Kaffee und Kuchen erzählt werden.

 

Zur besseren Vorplanung des Projekts sind Anmeldungen erwünscht. Wolfgang Völkel nimmt sie unter der Telefonnummer (0 57 66) 94 16 94 oder unter voelkel-wolfgang@t-online.de entgegen. Er organisiert auch einen Fahrdienst für diejenigen, die selbst keine Möglichkeit haben, in die ‚Romantik’ zu kommen.

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