Bei Kaffee und Butterkuchen NS-Verfolgten auf der Spur

Rehburg: Erzählcafé bringt neue Erkenntnisse und Projekt-Mitarbeitende

Kreiszeitung, 12. Februar 2014

Bad Rehburg. Wie war das damals, als Juden und andere Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus in Rehburg-Loccum verfolgt wurden? Wie ist es diesen Menschen in jener Zeit ergangen? Und wie haben sie vorher gelebt? Viele neue Antworten auf diese Fragen hat es beim Erzählcafé der Rehburg-Loccumer Stolperstein-Gruppe gegeben.

„Mit solcher Resonanz haben wir nicht gerechnet!“ Rund drei Stunden nach dem Beginn des Erzählcafés gehen die letzten der Besucher und Wolfgang Völkel lehnt sich zurück. Gemeinsam mit Annekatrein Kleine und Heinrich Lustfeld hatte er zu dem Café in die ‚Romantik Bad Rehburg’ eingeladen - um Wissen von Menschen aus der Zeit des Nationalsozialismus vorgetragen zu bekommen und um Mitarbeiter für das Projekt zu gewinnen. Beides ist geglückt.

 

Stolpersteine für Verfolgte des Nationalsozialismus in Rehburg-Loccum sollen verlegt werden. Diese kleine Gruppe hat sich das für Oktober dieses Jahres vorgenommen. Vor vier Wochen schon haben sie ihre Recherchen zu dem Projekt auf breiteren Raum gestellt, als sie Men- schen zu sich einluden, von denen sie sich Interesse an der Mitarbeit erhofften. Daraus sind vier Arbeitsgruppen entstanden. Erste Treffen haben stattgefunden, erste Ideen wurden gesammelt, erste Arbeitsaufträge verteilt. Das Erzählcafé, sagt Lustfeld, sollte nun der zweite Schritt sein, um noch mehr Menschen aus der Stadt auf diesem Weg mitzunehmen.

Neugierig im Saal der ‚Romantik’ angekommen sind ältere Bewohner der Stadt, die noch manches wissen. Wie etwa der Rehburger Heinz Laing, der sich gut daran erinnert, als Kind den Juden Julius Hamlet besucht zu haben. Dazu gesellt haben sich auch Jüngere wie Jörg Widdel. Seine Familie hatte über viele Jahre Kontakt zu Paula Freundlich - der einzigen Überlebenden der achtköpfigen jüdischen Familie Freundlich, die nur wenige Schritte von der ‚Romantik Bad Rehburg’ entfernt lebte. Margret Polacek hatte eine Mappe dabei mit Briefen, Glückwunschkarten und anderem von Rehburger Juden, die sie in einem Nachlass gefunden hat. Andere Besucher wiederum waren ‚nur’ interessiert - und manche baten darum, in einer der Arbeitsgruppen mitmachen zu dürfen. Die Gespräche unter den mehr als 40 Café-Besuchern mussten jedenfalls nicht angespornt werden. Angeregt wurde an allen Tischen geredet und viele Ergeb- nisse notiert. Auf das Erzählen eingestimmt hatte zuvor Patricia Berger, Nienburgs Kreisarchivarin, die von ihren Erfahrungen mit einem Stolperstein-Projekt berichtete und erzählte, was allein die Recherche nach der Nienburger Familie Weinberg alles ergeben hatte. Auf ähnlich viele Details hofft auch die Rehburg-Loccumer Stolperstein-Gruppe.

 

„Mit manchen derjenigen, die beim Café erzählt haben, wollen wir nun noch ausführlicher reden", meint Annekatrein Kleine. Und weitere Menschen, die etwas wissen, die et- was erzählt bekommen haben, die über Unterlagen verfügen oder an der Mitarbeit inte- ressiert seien, könnten sich gerne melden. Anrufe dazu nehmen Wolfgang Völkel unter der Telefonnummer 05766/941694, Heinrich Lustfeld unter 05037/747 und Annekatrein Kleine unter 05037/1493 entgegen.

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