Bad Rehburger Chronik

Die Chronik, die hier im Folgenden in Auszügen wiedergegeben wird, hat Friedrich Jährling in den Jahren 1936 und 1937 verfasst. Jährling war damals Bürgermeister des Kurortes Bad Rehburg - von den Nationalsozialisten in dieses Amt eingesetzt und überzeugt von deren Zielen.

                                      Friedrich Jährling am 18. November 1936
Friedrich Jährling am 18. November 1936

Über diesen ‚braunen Bürgermeister’ Friedrich Jährling wissen wir nicht viel. Geboren wurde er in Bielefeld, wurde am 24. August 1934 zum Gemeindeschulzen Bad Rehburgs und am 1. April 1935 zum ‚Bürgermeister’ berufen. Das wird er vermutlich bis zu seinem Lebensende gewesen sein – am 22. Dezember 1938 wurde er im Alter von 60 Jahren in Bad Rehburg begraben.


Die Chronik, die er geschrieben hat, ist nur durch einen Zufall wieder in Bad Rehburg angekommen. Auf einem Flohmarkt wurde sie von dem Rehburger Heimatforscher August Lustfeld entdeckt, der sie der Bad Rehburger Ortsgemeinschaft anbot – in deren Besitz sie noch heute ist. 
 
Zu weiten Teilen befasst sich die Chronik mit der Entstehungsgeschichte des Ortes durch die Entdeckung von Quellen, denen heilende Wirkung nachgesagt wurde, mit dem Beginn des Kurbetriebes sowie dessen Blütezeit und Niedergang und mit den Versuchen der Einwohner, ihren Wohlstand mit anderen Arten von Kuren – über Molkekuren bis zum Luftkurort – aufrecht zu erhalten. Diese Teile haben wir auf unserer Website ausgeklammert.
 
Was wir wiedergeben, ist der Teil des Textes, in dem sich Jährling zum Nationalsozialismus allgemein und in Bad Rehburg im Besonderen äußert.
Dieser Teil zeigt, dass er ein überzeugter Anhänger des Regimes war. Den Text zu lesen, weckt inneres Aufbegehren gegen diese Art selbstbezogener Verherrlichung der mörderischsten Ideologie in der deutschen Geschichte.

 

Wir veröffentlichen den Text als Beispiel für den damaligen Zeitgeist, gegen den unsere Aktion Stolpersteine heute ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern setzen will:

Chronik
 
begonnen im Dritten Reich im Sinne unseres Führers und Reichskanzlers
 
Adolf Hitler
 
Chronik der Gemeinde Bad Rehburg


Bürgermeister Jährling

hat diese Chronik angelegt. Sie soll unserem Badeort ein Denkmal sein und in beredter Sprache künden von Menschen und Schicksalen unserer Gemeinde auch für die entferntesten Tage. Durch rechte Kenntnis der Ortsgeschichte wird die Liebe zur Heimatscholle geweckt, Blut und Boden werden enger verbunden, die Tradition alter Bauerngeschlechter erforscht. Ich glaube, durch die Führung dieser Chronik dem Wunsche unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler zu entsprechen. Sein Wille ist es, die Geschichte unserer Vorfahren zum Verständnis der Gegenwart tiefer zu erforschen.
 
Bad Rehburg, den 20. November 1936
Friedrich Jährling

Erster Abschnitt.

 

Wie unser Ort heißt und was sein Name uns sagt.

Ein sauberer, geschmackvoll eingerichteter Triebwagen der Steinhuder Meer-Bahn, von Motoren bewegt und auf blanken Schienen munter dahin rollend, bringt willkommene Gäste unseres Ortes vom Wunstorfer Bahnhof über Steinhude an seinen lieblichen Landsee und einige andere Stationen nach Bad Rehburg. Mit lautem Signal fährt der Zug ein, um Halt zu machen und Richtung ändernd auf dem abzweigenden Geleise die nächste und letzte Station nämlich Stadt Rehburg zu erreichen. „Bad Rehburg“, ruft die laute Stimme des Schaffners. Bad oder Brunnen Rehburg ist heute vor allem heilklimatischer Luftkurort, ist ein Ort mit Heilstätten und Kuranstalten für Lungenleidende.

 

Zehnter Abschnitt.

 

Bad Rehburg im Weltkrieg.

Das ungeheure Geschehen des Weltkrieges mit seinen gewaltigen Erlebnissen äußerlicher und innerlicher Art braucht hier nicht geschildert zu werden. Es ist aus der Geschichte bekannt. Die furchtbare Erschütterung aller Dinge und aller Seelen, die Umgestaltung aller Lebensverhältnisse, die Anspannung aller Kräfte im Kampf gegen eine Welt wutschnaubender Feinde – das alles war auch in unserer Gemeinde so groß und einzigartig wie überall in unserem Vaterlande. Ein Volk war in Waffen, ein Volk rang um sein Dasein mit dem ganzen Heldenmut des guten Gewissens.

 

Zwölfter Abschnitt

 

Bad Rehburg in der nationalen Revolution.

Die unvergleichlich herrliche Bewegung, die ihre unerschöpfliche Quelle in der Heldenseele des Führers hatte, erfaßte mit ihrer unwiderstehlichen Gewalt und ihrer bezwingenden Überzeugungskraft gar bald auch unsere Gemeinde. Wie ein großes Aufatmen ging es durch alle Herzen, die noch vaterländisch empfinden konnten, als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler deutscher [...]

 

Ein Blatt - Seite 75 und 76 - ist herausgeschnitten.

 

[...] Nationalsozialismus die wundervolle Wendung Deutschlands eintrat, lag die Leitung der Gemeindeangelegenheiten in Bad Rehburg in den Händen des Vorstehers Sattlermeister Wilhelm Gerberding sen., der vom 18.4.1933 bis zum 23.8.1934 Gemeindevorsteher war.

  1. Am 24. August 1934 wurde Friedrich Jährling als Gemeindeschulze berufen, der seit dem 1. April 1935 den Titel Bürgermeister führt und als solcher gegenwärtig an der Spitze Bad Rehburgs steht. Friedrich Jährling ist seit dem 15. Juli 1932 Mitglied der NSDAP, d.h. der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei. Dem Führer und seinem herrlichen Werk von ganzem Herzen zugetan und mit unbedingter Treue hingegeben, wurde er zum Zellenleiter der NSDAP in Bad Rehburg ernannt. In diesem Parteiamt bewährt, wurde ihm, wie schon erwähnt, das öffentliche Amt des Bürgermeisters übertragen und damit die Möglichkeit gegeben, seine ganze Kraft dem vaterländischen Dienst zu widmen und im Sinne des Führers für das Wohl der Gemeinde und für die Verwirklichung der großen nationalsozialistischen Gedanken auch in unserem Lebenskreise unermüdlich tätig zu sein. Arbeit fand er bei seiner Amtsübernahme in reichlichem Maße vor, und die Leistungen, die bereits heute vorliegen, beweisen deutlich, was auch in den engen Grenzen einer ländlichen Gemeinde an kulturellen Fortschritten erreicht werden kann, wenn ein entschlossener Wille sich für hohe Ziele einsetzt und bei den von einem neuen Geist beseelten Volksgenossen Verständnis und tatkräftigen Beifall findet.
  2. Im April 1936 wurde eine Lautsprecheranlage zum Preise von 250 RM. für die Gemeinde beschafft, die am nationalen Feiertag der Arbeit am 1. Mai 1936 zum ersten Male bei dem Gemeinschaftsempfang der Führerrede benutzt worden ist.

 

 

Letztes Kapitel der Ortschronik.

 

Bad Rehburg im Jahre 1937.

In diesem Abschnitt soll versucht werden in kurzen Zügen gleichsam in einem Querschnitt durch die gesamten Kulturverhältnisse ein möglichst umfassendes Totalbild der Lebenszustände unseres Ortes zu entwerfen, wie es sich im gegenwärtigen Entwicklungsstadium dem prüfenden Blick eines Heimatbeobachters darstellt.

 

Die Überwachung und Förderung der wirtschaftlichen Kultur ist in erster Linie Sache der Gemeindeverwaltung. An der Spitze der Gemeinde steht der Bürgermeister. Gegenwärtiger Bürgermeister ist Herr Fr. Jährling, von dessen verdienstvollem Wirken die Chronik bereits mehrfach Zeugnis ablegen durfte. … Von wesentlicher Bedeutung ist im dritten [...]

 

Ein Blatt herausgeschnitten, Seite 107 und 108

 

[...] schutzschulungsleiter stand ihm Wilh. Strecker zur Seite. Nach der Versetzung am 19.10.1935 nach Breslau übernahm die Leitung des R.L.B. als Gemeindegruppenführer Herr Dr. Hans Sachs, - als Vertreter der Bürgermeister Friedr. Jährling.

Wie überall im Vaterlande, so zeigt sich auch in unserem Heimatort für die große nationalsozialistische Idee die Jugend aufgeschlossen und zu freudiger Tat bereit. Wer hätte nicht schon in tiefster Seele sich ergriffen und beglückt gefühlt, wenn die Hitlerjungen im strammen Schritt und Tritt mit schmetterndem Gesange unter Führung ihres Kameraden zum Dienst hinausmarschieren oder die B.D.M.=Mädchen an einem Dorfgemeinschaftsabend ihre munteren Reigen aufführen und ein Bild gesunder Kraft, mit Anmut und Schönheit gepaart, allen Zuschauern eindrucksvoll vor die Augen stellen! Die Hitlerjugend umfaßt hier 12 Knaben, zu B.D.M. gehören 15 Mädchen.


Als frühere Gemeindevorsteher sind aus den Büchern noch zu nennen:

Von 1873 – 1886 L. Mahlmann,

„ 1886 – 1892 Einer,

„ 1892 – 1911 Fr. Möller,

„ 1911 – 1924 Wilh. Hockemeyer,

„ 1924 – 1932 Friedr. Stolberg,

„ 1932 – 27. Januar 1933 Heinrich Abelmann.


Nach dessen Tode übernahm der Sattlermeister Wilhelm Gerberding bis zum 23. August 1934 das Amt des Gemeindevorstehers. Vom 24. August 1934 wurde der Reichsbahnsekretär in Ruh Friedrich Jährling zum Gemeindeschulzen, welcher am 1. April 1935 die Amtsbezeichnung Bürgermeister führt, berufen.

 

Die ehemals in Deutschland üppig wuchernde Vereinsmeierei hat durch die nationalsozialistische Organisationen ihre Korrektur erfahren. An Vereinen besteht hier außer dem in wirtschaftlicher Hinsicht wichtigen und unentbehrlichen Kur= und Verkehrsverein nur noch die Kriegerkameradschaft, die die Erinnerung an die großen Erlebnisse der ungeheueren und gewaltigen Weltkriegsjahre lebendig und frisch zu erhalten bestrebt ist, wie sie es verdienen. Wie innig und fest sich heute jedes deutsche Herz mit der Wehrmacht verbunden fühlt, dafür erhielten wir einen glänzenden Beweis, als im vorigen Jahre am 27./28. Juli 1936 die Panzerabwehrabteilung 6 in Herford hier in Bad Rehburg auf Tegtmeyer´s Kamp ein Biwak abhielt, das sich zu einer feierlichen Abendstunde gestaltete, wobei die Ansprachen von militärischer und bürgerlicher Seite, der freundliche Verkehr zwischen den Soldaten und den Einwohnern, die gemeinsame Hochstimmung im vereinigten vaterländischen Bekenntnis und Gelübde eine erhebende Kundgebung der vollen Einmütigkeit und herzlichen Verbundenheit zwischen Wehrmacht und Bürgertum bewirkten.

Schauen wir nun noch auf den Stand der geistigen Kultur, so ist zunächst darauf hinzuweisen, daß hier neben der Volksschule, wie schon seit Jahren, auch heute noch eine Privatmittelschule besteht, die durch den Besuch der beiden oberen Klassen in der voll ausgestalteten Kreismittelschule in Stolzenau ergänzt werden kann. An dieser Privatschule wirken zur Zeit zwei Lehrerinnen, Frl Oppermann, und Frl Patzack. Die Zahl der Schulkinder aus Bad Rehburg beträgt gegenwärtig nur 7, mit auswärtigen, 18 Schüler, die Volksschule, an welcher Herr Lehrer Dreyer tätig ist, ist wie bisher einklassig. Die Schülerzahl in diesem Schuljahre beträgt 38. In der Volksschule ist eine Volksbücherei vorhanden, die den Ortsangehörigen zur Verfügung steht.

[…]

In gegenwärtiger Zeit steht unter allen Problemen das bevölkerungspolitische mit an erster Stelle. Das deutsche Volk leidet neben seiner Raumnot zugleich an einer bedrohlichen Überalterung. Die jüngeren Jahrgänge sind zu gering an Zahl. Das trifft leider auch in Bad Rehburg zu. In manchen Häusern finden wir Familien mit sehr wenig Kindern, bisweilen mit nur einem Kinde, bisweilen mit kinderlosen Ehen. Hoffentlich erweisen sich die Maßnahmen der Regierung auf diesem Gebiet, auch in unserer Gemeinde als recht wirksam.

Der Gesundheitszustand der Einwohnerschaft ist dank des vorzüglichen Klimas als sehr gut zu bezeichnen. Auch die Heilstätten erzielen erfreuliche Erfolge. Beseelt von dem innigsten Wunsch, daß dem Führer und Reichskanzler das große und herrliche Werk der Volkserneuerung, Volkserhaltung und Volkserhöhung auch fernerhin gelingen möge, und entschlossen, an diesen hohen Aufgaben nach Kräften an ihrem Teile mitzuarbeiten, blickt die Gemeinde Bad Rehburg in die Zukunft. Möge sie für unsern Ort und für unser ganzes Volk und Vaterland eine glückliche und gesegnete sein!

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Die Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen bietet zahlreiche Veranstaltungen an, die sich mit der Spuren­suche, der Erinnerung und der Aufarbeitung der NS-Zeit beschäftigen:
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Auch der Förderverein der  ehemaligen Synagoge in Stadthagen bietet Veranstaltungen rund um die Verlegung von Stolpersteinen an:
www.stadthagen-synagoge.de