1938 – „Parteigenosse“ wird Bürgermeister

Zum 1. April 1938 trat Rehburgs Bürgermeister Ernst Meßwarb infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand – so ist es in der Rehburger Schulchronik verzeichnet. Die Einführung des neuen – von der NSDAP eingesetzten – Bürgermeisters Seppl Günther erfolgte laut jener Chronik am 30. April 1938. Die Tageszeitung „Die Harke“ berichtete über diese Einführung in ihrer Ausgabe vom 2. Mai 1938:

Bürgermeister Günther in sein Amt eingeführt

Ansprache des Kreisleiters Pg. Nies und des Landrats Pg. Dr. Ohnesorge

Im festlich geschmückten Rathaussaal in Stadt Rehburg fand am Sonnabend die Einführung des neuen Bürgermeisters Pg. Seppl Günther statt. Zu diesem feierlichen Akt hatten sich sämtliche Partei- und Dienststellen, an der Spitze der Kreisleiter Pg. Nies und Landrat Pg. Dr. Ohne­sorge, eingefunden. Außerdem sah man aber auch den Kreisobmann der DAF., Bürger­meister Beims und andere, dem alten Kämpfer der Bewegung nahestehende Parteigenossen und Ehrenzeichenträger Günther.

 

Nach einem Vorspruch von einem BDM-Mädel „Wir glauben an die Schöpferkraft“, nahm Ortsgruppenleiter Pg. Diele das Wort. Er hieß den neuen Bürgermeister herzlich willkommen und betonte dabei, dass sie alle dem neuen Leiter der Gemeinde treu zur Seite stehen würden, damit sein Ziel erreicht werden könne.

 

Landrat Pg. Dr. Ohnesorge nahm dann in seiner Eigenschaft als Vertreter des Staates die Einführung des neuen Bürgermeisters vor. Nachdem er zunächst des scheidenden Bürgermeisters Meßwarb gedachte und seine Verdienste für die Stadt Rehburg gewürdigt hatte, wandte er sich an den Pg. Günther. Er sei ein alter Mitkämpfer des Führers und habe erst vor kurzem die Freude gehabt, dass ihm das Ehrenzeichen überreicht wurde. Für die Verbreitung der Idee des Nationalsozialismus habe Pg. Günther sich stets stark eingesetzt und zwar mit großem Erfolge. In zahlreichen Versammlungen habe er Jahr um Jahr gesprochen und habe schließlich noch im Altersheim als Leiter gewirkt und in der NSB. als verantwortlicher Beauftragter des WHW. In allen diesen Ämtern habe Pg. Günther reichliche Erfahrungen gesammelt. Er wünsche Pg. Günther, so schloss der Landrat, für die Zukunft alles Gute und in seinem Amt viel Erfolg zum Segen der Stadt Rehburg. Nach der Eidesformel überreichte der Landrat dem neuen Bürger­meister die Urkunde und dann begrüßte der Ortsgruppenleiter den neuen Bürgermeister und übergab ihm den Platz als Leiter der Sitzung. Im Namen der Rehburger Jugend, der Frauen­schaft und des Vater­ländischen Frauen­vereins sowie der Forst­genos­sen­schaft wurden Pg. Günther Blumen in reicher Fülle überreicht.

Der Hoheitsträger der Bewegung, Kreisleiter Nies, nahm dann das Wort und würdigte eingehend die Persönlichkeit Seppl Günther, den er ungern aus seinem Mitarbeiterstabe gehen sehe, weil er ihn als Nationalsozialist, Arbeiter für die Partei und Kamerad schätze. Absichtlich habe er aber den Pg. Günther nach Rehburg vorgeschlagen, weil auch die Stadt Rehburg im Viereck der Städte Nienburg, Stolzenau, Uchte und Rehburg nicht fehlen solle. Die Stadt muss pulsieren von der lebendigen Kraft des Nationalsozialismus, weil wir zum Einsatz verpflichtet sind und uns nicht erlauben können, in Geruhsamkeit den Dingen freien Lauf zu geben. Gewiss sei die Arbeit des neuen Bürgermeisters nicht leicht und einfach, aber die Partei stehe hinter ihm. An die Vertreter der Partei und des Staates richtete der Kreisleiter die Bitte, den neuen Bürgermeister in ihren Kreis aufzunehmen.

 

Bürgermeister Pg. Beims als kommunal­politischer Leiter der Kreisleitung sprach hierauf über die Aufgaben des Bürgermeisters und betonte dabei, dass diese nicht mehr vom Schreibtisch aus zu erledigen seien. Jeder Bürgermeister müsse heute seine ganze Kraft einsetzen. Dem Pg. Günther, der lange Zeit sein enger Mitarbeiter in der Stadtverwaltung gewesen sei, wünsche er alles Gute.

 

Bürgermeister Seppl Günther nahm zum Abschluss der Sitzung das Wort und sagte u.a.: „Ich weiß, dass ich mit dem heutigen Tage eine große Verantwortung auf meine Schultern nehme. Aber es freut mich, dass ich hier eine so große Fülle von Vertrauen der Partei und des Staates entgegennehmen durfte. Ich hoffe, dass ich das Ziel erreiche. Ich will zu Ihnen stehen als Kamerad, stehen Sie auch zu mir als Kamerad. Mein Amt trete ich heute an unter dem Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Im Glauben an den Führer und an den Herrgott tue ich meine Pflicht!“
  Dem Führer und Reichskanzler galt jetzt aber der Gruß. Die Nationalhymnen beschlossen den festlichen Akt der Amtseinführung.


Erläuterungen zu Abkürzungen:
Pg.:     Parteigenosse
DAF:     Deutsche Arbeitsfront
NSB:     Abkürzung nicht ermittelt
WHW:     Winterhilfswerk des Deutschen Volkes

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