„… für eine Kleingemeinde sehr, sehr wertvoll…“

Kassabuch soll Aufschluss über jüdische Gemeinde geben

Auf dem Weg, die Geschichte der jüdischen Gemeinde Rehburg nachzuvollziehen, haben die Evangelische Akademie Loccum und der Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum Unterstützung vom Landschaftsverband Weser-Hunte und von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bekommen. Die Institutionen haben die Übersetzung eines Kassabuches der Gemeinde finanziert.

Gabriele Arndt-Sandrock (rechts) und Ingrid Decke blättern im Heimatmuseum in der Transkribierung des Kassabuches.
Gabriele Arndt-Sandrock (rechts) und Ingrid Decke blättern im Heimatmuseum in der Transkribierung des Kassabuches.

Einnahmen, Ausgaben und einige Anmerkungen zum täglichen Geschäft der jüdischen Gemeinde sind in dem Buch verzeichnet – Kassenstände, die Auskunft über die Jahre zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Rehburg geben. Dass dieses Buch, das beim Rehburger Bürger- und Heimatverein entdeckt wurde, zwar auf deutsch, allerdings in hebräischen Schriftzeichen geführt wurde, machte nicht nur den Arbeitskreis Stolpersteine, sondern auch die Loccumer Akademie neugierig – eine der Studienleiterinnen der Akademie, Gabriele Arndt-Sandrock, machte sich auf die Suche nach Institutionen, die in der Lage sind, solche Schriften zu entziffern. Das Ergebnis dieser Recherche hat Arndt-Sandrock im Museum des Bürger- und Heimatvereins vorgestellt.


„Gemeindegeschichtlich, wirtschaftsgeschichtlich für eine Kleingemeinde sehr, sehr wertvoll, einzigartig…“ Das sei die Aussage von Prof. Dr. Michael Brocke gewesen, als sie ihm erste Auszüge aus dem Kassabuch vorgelegt habe, sagte Arndt-Sandrock. Brocke ist Leiter des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen. Sein Institut übernahm die Transkribierung des Buches. „Es zu lesen heißt allerdings nicht, es auch sachgemäß zu verstehen“, war eine weitere Anmerkung Brockes. Den Zuhörern im Heimatmuseum wurde schnell klar, was Brocke damit meinte: manche Auszüge sind unvollständig, unleserlich, manche Ausdrucksweisen heutzutage kaum noch bekannt, andere regional geprägt. Verständnis dafür könnten unter anderem Menschen schaffen, die in der entsprechenden Region groß geworden seien, hatte Brocke angeregt.

Die hebräischen Schriftzeichen sind zwar übersetzt worden – viele Fragen bleiben aber dennoch offen.
Die hebräischen Schriftzeichen sind zwar übersetzt worden – viele Fragen bleiben aber dennoch offen.

So kam es, dass bei der Vorstellung der Ergebnisse auch etliche Rehburger dabei waren, die anhand der Präsentation erste Einwürfe machten und Ideen entwickelten. Auf weitere Einwürfe hofft Arndt-Sandrock, um die Rätsel des Kassabuches lösen zu können. Die Arbeit daran, meinte sie, könne dazu führen, unter Hinzuziehung weiterer alter Dokumente, irgendwann die Geschichte der jüdischen Gemeinde Rehburgs zu schreiben. Und da das Kassabuch so einzigartig sei, könnten die Inhalte womöglich auch irgendwann ein Baustein für eine Doktorarbeit oder ähnliches sein.


Die Transkribierung durch das Steinheim-Institut habe selbstverständlich Geld gekostet und das „im vierstelligen Bereich“, sagte Arndt-Sandrock. Ihr Dank dafür, diesen Anschub ermöglicht zu haben, ging an die Landeskirche und an den Landschaftsverband Weser-Hunte, dessen für den Landkreis Nienburg zuständige Geschäftsführerin Ingrid Decke sich zuvor interessiert angehört hatte, wozu das Fördergeld verwendet wurde. Die Transkribierung des Kassabuches ist hier hinterlegt:

Kassabuch Rehburg Uebersetzung.pdf
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