Jeannette Löwenstein, *1855

Am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert

Tod am 14. Oktober 1942

 

Stolperstein verlegt: Mühlentorstraße 26, Rehburg

Jeanette Löwenstein wurde am 4. Oktober 1855 als Jeanette Meyberg in Freren im westlichen Niedersachsen geboren. Nach Rehburg kam sie, als sie Jakob Löwenstein heiratete.

Sie wurde am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 14. Oktober 1942 ermordet. Ihr Mann Jakob starb bereits 1938 im Konzentrationslager Buchenwald, wohin er nach der Pogromnacht deportiert wurde.

 

 

Familie:

 

Mit ihrem Mann Jakob hatte Jeanette Löwenstein zwei Töchter: Erna, geboren am 9. Dezember 1896, und Frieda, geboren am 24. Mai 1898.

 

Erna Löwenstein heiratete Alfred Birkenruth, mit dem sie zwei Söhne - Hans Siegfried und Walter – hatte. Von der Familie Birkenruth überlebte niemand nach der Deportation gen Warschau vom 31. März 1942.

Frieda Löwenstein heiratete Heinrich Schmidt – einen ‚Arier’, mit dem sie einen Sohn bekam, dem das Ehepaar den Vornamen seines Vaters, Heinrich, gab. Frieda Schmidt wurde im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert und kam als einzige Überlebende der jüdischen Gemeinde Rehburg nach der Befreiung durch die Alliierten zurück.

 

Erinnerungen:

 

Das Ehepaar Jeanette und Jakob Löwenstein verdiente seinen Lebensunterhalt mit einer eigenen Schlachterei und durch Handel.

Die Rehburgerin Erika Lustfeld, Jahrgang 1930, erinnert sich, dass es stets Jeanette Löwenstein war, die das Fleisch aus der Schlachterei an die Kunden auslieferte. In einem Korb, den sie über dem Arm trug, brachte sie die Waren unter anderem zu den Kunden in Bad Rehburg und Loccum – beide Orte liegen mehrere Kilometer von Rehburg entfernt. „Was muss das für ein Gewicht gewesen sein, das sie dort am Arm trug!“, sagt Erika Lustfeld.

Jeanette Löwenstein beschreibt sie als kleine, schlanke Frau. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die hohen geschnürten Schuhe, die Jeanette Löwenstein immer trug.

 

 

Schicksal:

 

Als die Rehburger Synagoge in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. Oktober 1938 zerstört und ihr Mann Jakob nach Buchenwald deportiert wurde, war Jeanette bereits 83 Jahre alt.

Jakob wurde in Buchenwald keine zwei Monate später, am 26. November 1938, ermordet. Wann seine Frau Jeanette dieses erfuhr, wissen wir nicht. Das einzige, was ihr von ihrem Mann zurückgegeben wurde, war eine Uhr mit silberner Kette, die noch heute im Besitz ihres Urenkels ist. Auf der Empfangsbescheinigung, die mit der Uhr übersandt wurde, ist von der zuständigen Polizeibehörde der Vermerk notiert, dass die Übergabe am 5. April 1939 erledigt worden sei.

 

Kurz darauf zog die Familie von Jeanettes Tochter Erna, die nun den Nachnamen Birkenruth trug, nach Nienburg in die Hannoversche Straße 8. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Familie Birkenruth bei Jeanette in der jetzigen Mühlentorstraße 26 gelebt – die damalige Anschrift lautete Adolf-Hitlerstraße 174.

Demnach muss die 83-Jährige ab Mai 1939 allein in diesem Haus gelebt haben. Rund ein halbes Jahr später, am 6. Dezember 1939, so heißt es in einem Aktenvermerk an den Nienburger Landrat, sei Jeanette Sara Löwenstein nach Nienburg zur Anmeldung in die Hannoverschestraße 8 gekommen. Sie meldete sich also für das Haus an, in dem ihre Tochter Erna samt Familie bereits lebte und für das der Schwiegervater von Erna bereits 1919 als Eigentümer genannt wurde.

Gleichzeitig heißt es in dem Aktenvermerk aber auch, dass Jeanette ihren festen Wohnsitz in Rehburg, Adolf-Hitlerstraße 174, beibehalte.

 

Das nächste Dokument, das Auskunft über Jeanettes Schicksal gibt, ist wieder an den Nienburger Landrat gerichtet und besagt, dass sie sich am 31. März 1942 in der Ohestraße 8 in Hannover anmeldete, einem von den Nazis so genannten ‚Judenhaus’.

‚Judenhäuser’ waren Wohnhäuser aus (ehemals) jüdischem Eigentum, in die ausschließlich Juden eingewiesen wurden. Damit wurde zu Lasten der Juden Wohnraum für die ‚deutschblütige’ Bevölkerung frei gemacht. Auf diesem Wege konnte das Regime zudem die Juden einfacher kontrollieren.

An jenem Tag, an dem Jeanette in dem Hannoverschen ‚Judenhaus’ untergebracht wurde, begann für die Familie ihrer Tochter Erna Birkenruth die Fahrt in den Tod – gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen wurden sie ins Ghetto von Warschau deportiert.

 

Jeanette blieb noch rund vier Monate - bis zum 23. Juli 1942 - in der Ohestraße 8 in Hannover, bevor ihre eigene letzte Reise begann. Am 23. Juli 1942, im Alter von 86 Jahren, wurde Jeanette Löwenstein gemeinsam mit 778 weiteren Menschen in einen Zug gesperrt, der das Ghetto Theresienstadt zum Ziel hatte.

 

Dort wurde Jeanette Löwenstein am 14. Oktober 1942, zehn Tage nach ihrem 87. Geburtstag, ermordet.

 

Auf dem Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers am Opernplatz ist auch ihr Name eingemeißelt.

Quellen:

Gerd-Jürgen Groß, ‚Sie lebten nebenan’, Erinnerungsbuch für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 deportierten und ermordeten jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus dem Landkreis Nienburg/Weser

Hinterlassene Unterlagen von Heinz Hortian, Rehburg

Kreisarchiv Nienburg

Erinnerungen Erika Lustfeld

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