Selma Löwenberg, * 1883

Am 18. November 1941 nach Minsk deportiert
Am 28. Juli 1942 in Minsk ermordet

Stolperstein:
Mühlentorstraße 40, Rehburg

Familie:

 

Selma Löwenburg wurde am 27. Januar 1883 in Bremke (Landkreis Göttingen) als Tochter von Emma und Nathan Adler geboren. Sie heiratete am 6. August 1906 in ihrem Heimatort den aus Rehburg stammenden Julius Löwenberg. Das Ehepaar lebte anschließend in Rehburg im Elternhaus von Julius.


Im Jahre 1907 wurde ihre Tochter Frieda und im Jahre 1911 ihre Tochter Gertrud geboren.


Während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erlebten Selma und ihre Tochter Gertrud die Inhaftierung von Julius Löwenberg, der in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert wurde. Selma und Gertrud flohen daraufhin nach Bremen zu Julius Neffen Alfred Grünberg.
Nach der Entlassung aus dem KZ Buchenwald am 20. Dezember 1938 folgte Julius seiner Frau und seiner Tochter nach Bremen. Am 18. November 1941 wurden Selma und Julius Löwenberg zusammen mit vielen weiteren Juden aus Bremen nach Minsk deportiert und dort am 28. Juli 1942 ermordet. Selma wurde 59 und Julius 68 Jahre alt.

 

Schicksal und Erinnerungen:

 

Über Selma Löwenbergs Jugendzeit ist uns nichts bekannt. Ihre Mutter Emma Adler, geb. Heilbrunn, wurde 1942 deportiert und ist ermordet worden. Das Schicksal ihres Vaters ist unbekannt. Selma hatte drei Geschwister: Ida, Hugo und Fanny.

Ida Adler, verheiratete Wertheim, wurde am 26. Januar 1884 in Bremke geboren. Sie war mit dem Manufakturhändler Paul Wertheim verheiratet. Das Paar hatte drei Kinder: Heinz, Erna und Senta. Ehemann Paul wurde im März 1942 in Buchenwald ermordet. Sohn Heinz wurde in Auschwitz ermordet. Ida und ihre Töchter wurden am 17. Juni 1942 in den Osten deportiert.
Hugo Adler wurde am 4. April 1886 in Bremke geboren. Er war verheiratet mit Bella Frank. 1939 wurde er in das KZ Buchenwald deportiert, von dort am 2. März 1942 in die T4-Anstalt Bernburg überführt und dort in der Gaskammer ermordet.
Fanny Adler, verheiratete Löwenstein, floh mit ihrer Familie in die USA und überlebte damit den Holocaust.


In Briefen an Selmas Schwägerin Minna in Bremen ist ein wenig über das Alltagsleben der Löwenbergs in Rehburg zu erfahren; wie beispielsweise über die Geburt von Tochter Frieda.


Selmas Tochter Gertrud hatte sich am 2. Mai 1938 nach Rehburg zurückgemeldet. Sie erlebte zusammen mit ihrer Mutter die Pogromnacht in Rehburg, als Julius Löwenberg verhaftet und in das KZ Buchenwald deportiert wurde, die SA das Haus durchsuchte und Wertgegenstände beschlagnahmte. Selma und Gertrud flüchteten daraufhin zu Julius Neffen Alfred Grünberg nach Bremen in die Kohlhökerstraße 6. Dorthin kam auch Julius Löwenberg nach seiner Entlassung am 20. Dezember 1938 aus dem Konzentrationslager.
Während Tochter Gertrud mit ihrem Mann am 5. August 1939 nach England flüchtete, blieben Selma und Julius in Bremen. Vielleicht fühlten sie sich in der Anonymität der Großstadt sicher.
Doch diese Sicherheit war trügerisch.
Anfang November 1941 bekamen sie den Deportationsbefehl. Dazu Auszüge aus „Erinnern für die Zukunft e.V. - Spurensuche Bremen“:

„Am 18. November 1941 mussten 440 Bremer Juden vor der Schule Am Barkhof antreten. Gemeinsam mit Gefangenen aus dem Regierungsbezirk Stade marschierten sie anschließend zum Lloydbahnhof (besonderes Empfangsgebäude für den Auswandererverkehr nach Bremerhaven). Von dort wurden sie mit Zügen ins Ghetto Minsk deportiert, wo sie 8 Monate lang Zwangsarbeit verrichten mussten, bevor sie am 28. oder 29. Juli 1942 umgebracht wurden.“

Das Ghetto Minsk war jener von deutschen Besatzungstruppen abgeriegelte Stadtbezirk im Nordwesten der weißrussischen Hauptstadt. In mehreren Aktionen wurden die hier internierten Menschen erschossen. So auch bei der großen Ghettoräumung Ende Juli 1942, bei der nachweislich insgesamt 10.000 Juden ermordet wurden, davon vermutlich 5.000 im Lager Maly Trostinez. Am 28. Juli 1942 setzten die Deutschen bei ihren Tötungsaktionen erstmals Gaswagen in Minsk ein, mit denen alle „nicht arbeitsfähigen“ Personen in diesen umgebauten Lastkraftwagen abtransportiert und ermordet wurden.

Der Todestag von Selma und Julius wird mit dem 28. Juli 1942 angegeben.

Auf dem Gehsteig vor dem Haus, in dem einst die Familie Löwenberg lebte, in der jetzigen Mühlentorstraße 40, sind am 30. September 2016 Stolpersteine zum Gedenken an Selma Löwenberg, an ihren Mann Julius und die Töchter des Paares, Frieda und Gertrud, verlegt worden.

 

Heinrich Lustfeld
Juli 2017

Quellen:

Gerd-Jürgen Groß, ‚Sie lebten nebenan’, Erinnerungsbuch für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 deportierten und ermordeten jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus dem Landkreis Nienburg/Weser
Hinterlassene Unterlagen von Heinz Hortian, Rehburg
Yad Vashem Israel
Bundesarchiv - Gedenkbuch
Kreisarchiv Nienburg
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen
Niedersächsisches Landesarchiv
Ordnungsamt Stadt Hannover
Staatsarchiv Bremen
Kommunalarchiv Minden
Gesellschaft für Familienforschung Bremen – Bremer Passagierlisten
Gedenkbuch Halle/Saale
Professor Fred Johnson, USA
Hanna de Levie, Israel
Claudia und Rafael de Levie, Israel
Ann und Merrill Asher, USA
Renee Mason, USA
Dena Mason-Zied, Eric Zied, USA
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