Anna Johanna Amalie Stern, * 1905

1942 nach Auschwitz deportiert

Stolperstein:
Mühlentorstraße 7, Rehburg


Familie:

 

Anna Johanna Amalie Stern, geborene Blumenthal wurde am 16. Juni 1905 in Hessisch Oldendorf geboren. 1942 wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Ihr Todestag ist nicht bekannt. Auf Antrag ihrer Stieftochter Sofie wurde sie mit Datum 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Anna heiratete am 24. November 1933 in Hessisch Oldendorf den aus Burghardsfelden in Hessen stammenden Sigmon (Siegmund) Stern (*14. Juni 1878). Das Paar zog 1934 nach Rehburg. Dort wohnte es in der Mühlentorstraße 7, in dem Haus, in dem sich auch die Synagoge befand.

Erinnerungen:

 

Für Anna Johanna Amalie Stern wurde in Bad Salzuflen, in der Oberen Mühlenstraße 8, ein Stolperstein verlegt. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Bad Salzuflen hat die Patenschaft hierfür übernommen.

 

Aus Erzählungen von Rehburgern und aus einigen Briefen wissen wir, dass Anna Stern psychische Probleme hatte. So erzählte uns eine Rehburgerin, dass Anna sich aus dem Fenster des Synagogen-Gebäudes gestürzt haben soll. Wir wissen nicht, ob dieses sich vor oder nach der Pogromnacht ereignete und können auch zu den Gründen nur Vermutungen anstellen. Zum einen liegt nahe, dass die Repressalien und Verfolgungen, denen die Juden auch in Rehburg ausgesetzt waren, zu Annas drastischem Handeln führten. Zum anderen ging auch das Gerücht, dass die Ehe mit dem 27 Jahre älteren Sigmon nicht allzu glücklich gewesen sein soll.

 

Schicksal:

 

Auch Anna Stern bekam die Übergriffe der Nazis an den Juden hautnah zu spüren. In der Pogromnacht am 9. November 1938 drangen Uniformierte der SA in die Synagoge und in ihre Wohnung ein. Die großen Buntglasfenster des Betraumes wurden zerstört. Sämtliches Inventar der Synagoge wurde zerschlagen, auf den naheliegenden Marktplatz transportiert und angezündet. Auch die Tora wurde dort verbrannt.


Annas Ehemann Sigmon Stern wurde mit weiteren Männern der jüdischen Gemeinde verhaftet. Anna musste mit ansehen, wie das Feuer all die Dinge aus der Synagoge verschlang, die der Gemeinde lieb und teuer waren und ihren Glauben repräsentierten. Anschließend wurden die Männer von der Gestapo Hannover in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt.

Anna floh einige Zeit später aus Rehburg nach Bad Salzuflen. Dort wohnte sie lediglich für drei Wochen.

Danach kam sie nach Rehburg zurück und wohnte zunächst weiter mit ihrem Mann in dem Synagogen-Gebäude. Ihr Ehemann Sigmon war im Dezember 1938 aus Buchenwald entlassen worden.


In 1939 musste die jüdische Gemeinde Rehburg das Gebäude verkaufen. In den Monaten zuvor hatte Sigmon Stern zunächst nach und nach seine Schüler und somit seine Arbeit verloren. Dann musste das Ehepaar auch seine Wohnung räumen. Aus Briefen aus dem Jahr 1939 wissen wir, dass sie im August 1939 zunächst nach Steinhude zu der Jüdin Ida Frank zogen.

Am 20. September 1939 zog Sigmon nach Ratibor in Schlesien, Schrammstraße 9, unweit von Ausschwitz. Anna folgte ihrem Mann.

Am 13. Juli 1942 wurden Anna und Sigmon Stern in Ratibor verhaftet und am 14. Juli um 11 Uhr vormittags nach Auschwitz deportiert. Ihr Todestag ist nicht bekannt.

Am 30. September 2016 sind vor dem Haus Mühlentorstraße 7 in Rehburg Stolpersteine für Anna und Sigmon Stern verlegt worden.

Gabriele Arndt-Sandrock
Regina Brunschön
Heinrich Lustfeld

Beate Ney-Janßen

Quellen:

Gerd-Jürgen Groß, ‚Sie lebten nebenan’, Erinnerungsbuch für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 deportierten und ermordeten jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus dem Landkreis Nienburg/Weser
Hinterlassene Unterlagen von Heinz Hortian, Rehburg
Yad Vashem, Israel
Bundesarchiv-Gedenkbuch
Kreisarchiv Nienburg
Stadtarchiv Reiskirchen
Landesarchiv Bückeburg
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