Hans Siegfried Birkenruth, *1923

Am 31. März 1942 nach Warschau deportiert

Todesdatum unbekannt

 

Stolperstein verlegt in:

Rehburg, Mühlentorstraße 26

Hans Siegfried Birkenruth wurde am 2. Februar 1923 als erstes Kind von Alfred und Erna Birkenruth in Rehburg geboren. Die Familie, zu der noch sein sechs Jahre jüngerer Bruder Walter gehörte, lebte bis 1939 bei den Großeltern Jakob und Jeanette Löwenstein in der Mühlentorstraße 26 – zu damaliger Zeit Adolf-Hitlerstraße 174.

Vermutlich im Mai 1939 zog Hans Siegfrieds Familie nach Nienburg in die Hannoversche Straße 8, wo sein Großvater väterlicherseits ein Haus besaß.

Hans Siegfried wurde mit seiner Familie am 31. März 1942 ins Ghetto von Warschau deportiert, wo er ermordet wurde. Sein Todestag ist unbekannt – wie auch die Todestage seiner Eltern und seines Bruders.

 

 

Familie:

 

Hans Siegfried Birkenruths Vater Alfred stammte aus Bordenau (Neustadt am Rübenberge) und zog nach Rehburg, nachdem er Hans Siegfrieds Mutter Erna, geborene Löwenstein, geheiratet hatte. Die Familie Löwenstein war alteingesessen in Rehburg. Auf dem Friedhof am Ort sind etliche Vorfahren Hans Siegfrieds aus diesem Familienzweig beerdigt worden.

Hans Siegfrieds Vater Alfred verdiente den Lebensunterhalt für die Familie laut dem, was uns ältere Rehburger erzählten, mit Viehhandel. In einer alten Rehburger Schülerliste steht als Beruf seines Vaters hinter Hans Siegfrieds Namen ‚Fleischer’.

 

 

Schicksal:

 

Nachdem Hans Siegfrieds Vater und sein Großvater Jakob Löwenstein nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 nach Buchenwald deportiert worden waren und nur sein Vater nach einigen Wochen von dort zurückkam – sein Großvater überlebte nicht und wurde in Buchenwald vermutlich erschlagen – zog die Familie im Mai 1939 nach Nienburg in ein Haus, das Hans Siegfrieds Großvater Julius Birkenruth gehörte. Hans Siegfried war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt und besuchte bereits seit rund zwei Jahren die Israelitische Gartenbauschule in Hannover-Ahlem. Das einzige, was wir aus seiner Rehburger Zeit von ihm gefunden haben – mit Ausnahme des Klassenfotos - sind der Eintrag in der Schülerliste und seine Zeugnisnoten aus dem Schuljahr 1935/36.

Als Hans Siegfried 19 Jahre alt war, wurden er und seine Familie am 31. März 1942 in das Ghetto Warschau deportiert. Sein Großvater Julius Birkenruth kam rund vier Monate später in das ‚Alters-Ghetto’ Theresienstadt – in dem Zug, der am 23. Juli 1942 von Hannover-Ahlem startete, war auch Walters Großmutter mütterlicherseits, Jeanette Löwenstein. Keiner aus der Familie hat überlebt.

 

 

Erinnerungen:

 

Ein Klassenfoto, auf dem Hans Siegfried im Jahr 1936 inmitten seiner Mitschüler steht, haben wir zur Verfügung gestellt bekommen – mehr nicht. Damals war er 13 Jahre alt: der dunkelhaarige Junge in hellem Hemd und mit dunkler Jacke, der ernst in die Kamera schaut - rechts unterhalb der beiden Jungen, die auf dem Gedenkstein sitzen.

Seine Mitschüler von damals sind alle tot und können nicht mehr von ihm erzählen.

Klassenfoto Hans Siegfried von 1936 -- Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Klassenfoto Hans Siegfried von 1936 -- Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Quellen:

Gerd-Jürgen Groß, ‚Sie lebten nebenan’, Erinnerungsbuch für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 deportierten und ermordeten jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus dem Landkreis Nienburg/Weser

Hinterlassene Unterlagen von Heinz Hortian, Rehburg

Kreisarchiv Nienburg

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen

Archiv der Grundschule Rehburg

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