Ruth Ilse Freundlich, * 1937

Am 28. März 1942 über Ahlem nach Warschau deportiert
Todestag unbekannt
 
Stolperstein:
Alte Poststraße 13, Bad Rehburg

Familie:

 

Ruth Ilse Freundlich wurde am 25. Januar 1937 in Bad Rehburg als Tochter von Else und Siegmund Freundlich geboren. Sie war das Nesthäkchen der Familie. Mit Werner, Paula, Kurt, Heinz Wolfgang und Gerda Irmgard hatte sie fünf ältere Geschwister.
In der Alten Poststraße 13 in Bad Rehburg hatten die Eltern ihrer Mutter bereits gelebt. Ihre Eltern waren 1925 dorthin gezogen.  
Am 28. März 1942 wurde die Familie zunächst in das Sammellager Ahlem und von dort in das Ghetto Warschau deportiert. Lediglich Ruths Schwester Paula entging der Deportation, da ihre Familie sie Anfang 1939 mit einem Kindertransport nach England schickte. Ruth Ilse wurde ebenso wie ihre Eltern und die weiteren vier Geschwister ermordet. Ihr Todestag ist unbekannt. Wir gehen davon aus, dass sie ihren sechsten Geburtstag nicht erlebt hat.

Das Foto zeigt die kleine Ruth gemeinsam mit ihrer vier Jahre älteren Schwester Gerda Irmgard.

Erinnerungen und Schicksal:


„Ruth ist gewachsen“ – so steht es in einem Telegramm, das Ruths Vater Siegmund am 1. März 1942 an seine Tochter Paula aufgab, die damals bereits seit mehr als drei Jahren in England lebte. Viel mehr als den Hinweis, dass Ruth gewachsen ist, wissen wir nicht über das jüngste Kind der Familie Freundlich. Als Ruths Vater dieses schrieb, war sie fünf Jahre alt – und sollte vier Wochen später auf einen Weg gehen, der mit ihrer Ermordung endete.

Am 28. März 1942 wurde die Familie Freundlich mit einem Bus aus Bad Rehburg abgeholt. Zum ‚Arbeitseinsatz nach Polen’ sollte es gehen. Drei Tage zuvor hatte sie mitgeteilt bekommen, was das wenige war, das sie mitnehmen durfte. Zunächst wurde die Familie zur Israelitischen Gartenbauschule in Ahlem gebracht, die mittlerweile als Sammellager diente. Einige der Kinder der Freundlichs waren dort zuvor zur Schule gegangen. Wiederum drei Tage später wurden Vater, Mutter und fünf Kinder inklusive der kleinen Ruth zum Bahnhof nach Hannover gebracht – die Reise in das Ghetto Warschau begann.

Rund drei Monate später begann die SS mit der Räumung dieses Ghettos und dem Transport der Menschen, die in ihm lebten, in das nun fertig gestellte Vernichtungslager Treblinka II, ca. 80 km nordöstlich von Warschau.
Wahrscheinlich wurden Else, Siegmund und die fünf Kinder, die bei ihnen waren, dort sofort nach dem Eintreffen in einer Gaskammer mit Kohlenmonoxyd ermordet.

Lediglich Kurt, das drittälteste der Kinder, könnte der Ermordung noch ein wenig länger entgangen sein. Kurts Tante Clara Löwenstein, die in Köln lebte, schrieb am 28. November 1943 an Paula, dass die Adresse ihrer Eltern und Geschwister ihr unbekannt sei. „Nur Kurt schreibt, er arbeitet in Warschau in einer Fabrik.“

Quellen:

Gerd-Jürgen Groß, ‚Sie lebten nebenan’, Erinnerungsbuch für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 deportierten und ermordeten jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus dem Landkreis Nienburg/Weser sowie Auszüge aus Groß Vortrag ‚Transportiert und deportiert’.

Hinterlassene Unterlagen von Heinz Hortian, Rehburg

Unterlagen Paula Calder, geb. Freundlich

Kreisarchiv Nienburg

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