Werner Freundlich, * 1922

Am 28. März 1942 über Ahlem nach Warschau deportiert
Todestag unbekannt
 
Stolperstein:
Alte Poststraße 13, Bad Rehburg

Familie:

 

Werner Freundlich wurde am 2. August 1922 in Landeck in Westpreußen als ältester Sohn des jüdischen Ehepaars Else und Siegmund Freundlich geboren. Zirka drei Jahre später zog die Familie 1925 nach Bad Rehburg und zog in das Haus von Werners Großeltern, den Eltern seiner Mutter Else, in der heutigen ‚Alten Poststraße 13’. In diesem Haus wurden die fünf weiteren Geschwister Werners geboren.


1925 kam Paula zur Welt, 1927 Kurt. Heinz Wolfgang wurde 1929 geboren, Gerda Irmgard 1933 und das Nesthäkchen Ruth Ilse im Jahr 1937.


Bereits 1930 starb Werners Großvater Julius Löwenstein, 1935 seine Großmutter Ida Löwenstein. Beide wurden auf dem jüdischen Friedhof in Rehburg beerdigt.
Von diesem Zeitpunkt an lebte die Familie allein in der Alten Postststraße 13, von wo sie am 28. März 1942 zunächst in das Sammellager Ahlem und von dort in das Ghetto Warschau deportiert wurde. Lediglich Tochter Paula entging der Deportation, da ihre Familie sie Anfang 1939 mit einem Kindertransport nach England schickte. Werner, seine Eltern Else und Siegmund sowie seine vier Geschwister Kurt, Heinz Wolfgang, Gerda Irmgard und Ruth Ilse wurden ermordet. Ihre Todestage sind unbekannt.

Das Foto zeigt Werner, auf dem er seine beiden jüngeren Brüder Kurt (rechts) und Heinz (links) im Arm hält.

Erinnerungen und Schicksal:


Werner Freundlich ist das einzige der sechs Kinder der Familie, das aus freien Stücken aus der Poststraße 13 auszog. Als ältestes der Kinder – so vermuten wir – war er 1937 mit der Schule in Bad Rehburg fertig und zog nach Hamburg. Die Meldedaten, die wir gefunden haben, besagen, dass er ab dem 3. April 1937 in der Klosterallee 24 in Hamburg wohnte. Hinweise darauf, dass er den Beruf des Schlossers erlernte, haben wir gefunden und vermuten, dass er dort in Hamburg seine Lehrzeit hatte.


Weitere Meldedaten besagen, dass er am 22. Juli 1940 – also mehr als ein Jahr nachdem seine Schwester Paula nach England emigriert war – wieder nach Bad Rehburg zu seinen Eltern zog. Wenige Monate später zog er erneut aus. Am 12. September 1940 wurde er in Sarstedt gemeldet.
Von Sarstedt muss Werner am 28. März 1942 von den Nazis nach Ahlem in die Israelitische Gartenbauschule geschafft worden sein. Die Gartenbauschule, die mittlerweile als Sammellager für Juden diente, hatten seine Brüder Kurt und Heinz einige Jahre lang besucht, nachdem denen der Besuch in der Bad Rehburger Schule verwehrt worden war. Zu eben diesem Zeitpunkt, also dem 28. März 1942, wurden auch Werners Eltern und seine Geschwister Kurt, Heinz, Gerda und Ruth aus Bad Rehburg nach Ahlem gebracht. Für diese sieben Familienmitglieder begann damit ihre Reise in den Tod.


Von einem letzten Lebenszeichen von ihrer Familie erzählte uns Werners Schwester Paula. Das Telegramm selbst – dieses letzte Lebenszeichen-  ist im Laufe der Jahre verloren gegangen. Paulas Erinnerung daran aber nicht. Paulas Vater Siegmund schrieb ihr darin, dass sie auf dem Weg nach Polen seien – er gemeinsam mit den drei Söhnen, ihre Mutter zusammen mit den zwei Töchtern.

Am 28. März 1942 war die Familie Freundlich mit einem Bus aus Bad Rehburg abgeholt worden. Zum ‚Arbeitseinsatz nach Polen’ sollte es gehen. Eine ähnliche Nachricht muss auch Werner bekommen haben. Drei Tage zuvor hatten sie mitgeteilt bekommen, was das wenige war, das sie mitnehmen durften. Zunächst wurde die Familie nach Ahlem gebracht. Wiederum drei Tage später wurden sie zum Bahnhof nach Hannover gebracht – die Reise in das Ghetto Warschau begann.

Rund drei Monate später begann die SS mit der Räumung dieses Ghettos und dem Transport der Menschen, die in ihm lebten, in das nun fertig gestellte Vernichtungslager Treblinka II, ca. 80 km nordöstlich von Warschau.
Wahrscheinlich wurden Else, Siegmund und die fünf Kinder, die bei ihnen waren, dort sofort nach dem Eintreffen in einer Gaskammer mit Kohlenmonoxyd ermordet.

Lediglich Kurt, das drittälteste der Kinder, könnte der Ermordung noch ein wenig länger entgangen sein. Kurts Tante Clara Löwenstein, die in Köln lebte, schrieb am 28. November 1943 an Paula, dass die Adresse ihrer Eltern und Geschwister ihr unbekannt sei. „Nur Kurt schreibt, er arbeitet in Warschau in einer Fabrik.“

Quellen:

Gerd-Jürgen Groß, ‚Sie lebten nebenan’, Erinnerungsbuch für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 deportierten und ermordeten jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus dem Landkreis Nienburg/Weser sowie Auszüge aus Groß Vortrag ‚Transportiert und deportiert’.

Hinterlassene Unterlagen von Heinz Hortian, Rehburg

Unterlagen Paula Calder, geb. Freundlich

Kreisarchiv Nienburg

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